Erfahrung trifft KI: Wie Senior Connect den Arbeitsmarkt neu denkt

Hallo Tim, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Stell dich unseren Leser:innen doch mal kurz vor – wer bist du, und was machst du bei Senior Connect?

Servus, ich bin Tim Findeiss und einer der Mitgründer & Geschäftsführer von Senior Connect.

Vielleicht möchtest du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

Senior Connect ist ein HR-Tech-Startup, das sich auf generationengerechte Übergänge im Arbeitsleben spezialisiert hat.

Unsere digitale Plattform verbindet Unternehmen und erfahrene Talente durch ein holistisches Job-Matching, Lebenslauf-Optimierung, Interviewtraining und digitales Outplacement. Alles vollständig durch unsere KI automatisiert.

Unser Ziel ist es, den Fachkräftemangel durch eine bessere Integration erfahrener Mitarbeitender zu adressieren – und gleichzeitig sozial wirksame, faire und effiziente Lösungen für Onboarding und Offboarding zu schaffen.

Welches Problem wollt ihr mit Senior Connect lösen?

Mit Senior Connect wollen wir das strukturelle Problem lösen, dass erfahrene Fachkräfte am Arbeitsmarkt oft übersehen werden, obwohl sie über enormes Wissen, Stabilität und Potenzial verfügen.

Gleichzeitig fehlt Unternehmen ein systematischer, digitaler Ansatz, um Personalübergänge – ob Neueinstellung oder Trennung – generationensensibel, effizient und sozial wirksam zu gestalten.

Wir schließen diese Lücke mit einer Plattform, die Onboarding und Offboarding für Senior Professionals erstmals ganzheitlich, KI-gestützt und praxisnah abbildet.

Wie würdest du deiner Großmutter Senior Connect erklären ?

Stell dir vor, es gibt eine Art digitale Vermittlungsstelle, aber nicht für junge Leute, sondern extra für Menschen, die schon viel Berufserfahrung haben.

Senior Connect hilft dir dabei, einen neuen Job zu finden oder dich gut auf den Ausstieg aus dem Berufsleben vorzubereiten. Es ist wie ein persönlicher Assistent: Er schlägt passende Stellen vor, hilft dir beim Lebenslauf und beim Üben von Vorstellungsgesprächen – alles einfach erklärt und kostenlos.

Wie funktioniert euer Geschäftsmodell ?

  1. B2B-Lizenzmodell: „Der Ersatz für Headhunter & Personaldienstleister“
    1. Unternehmen zahlen eine monatliche oder jährliche Lizenzgebühr
    2. Zugang zu passgenauen Profilen erfahrener Fachkräfte
    3. Inklusive Nutzung von Matching-Algorithmen, CV-Checks & Kommunikationsfunktionen
  1. Volumenbasiertes Offboarding-Angebot
    1. Digitale Outplacement-Pakete für ausscheidende Mitarbeitende
    2. Preis pro Fall/Person, deutlich günstiger als klassische Beratung
    3. Arbeitgeber stärken damit ihr Employer Branding & ihre soziale Verantwortung

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Unser erster Plattform-Prototyp war zu komplex aufgebaut und hat nicht ausreichend erklärt, wie die Funktionen konkret genutzt werden. Das führte dazu, dass viele Testnutzer früh ausgestiegen sind, obwohl sie eigentlich interessiert waren. Wir mussten radikal vereinfachen, besser erklären und gezielt testen. Heute legen wir noch mehr Wert auf barrierearme UX und klare Sprache.

Was habt ihr daraus gelernt ?

Fehler gehören zum Startup-Alltag einfach dazu. Wichtig ist nur, dass man aus den Fehlern lernt und sich so kontinuierlich verbessert. Die anfänglichen Hürden bei der Nutzerführung haben uns gezeigt, wie wichtig echte Nutzerperspektiven und schnelle Feedbackzyklen sind.

Und wo habt ihr bisher alles richtig gemacht ?

Bei unserer Positionierung und dem Timing haben wir vieles richtig gemacht.

Wir haben eine klare Lücke erkannt: den fehlenden Zugang älterer Fachkräfte zum Arbeitsmarkt und darauf basierend eine Lösung entwickelt, die sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich wirksam ist.

Gerade im Kontext des demografischen Wandels, des zunehmenden Fachkräftemangels und der politischen Diskussionen rund um Themen wie die Aktivrente trifft Senior Connect den richtigen Nerv: Wir bieten zur richtigen Zeit eine passgenaue, generationengerechte Antwort.

Das Ganze zeigt sich auch in den aktuellen Nutzerzahlen: Täglich registrieren sich 200-300 neue Nutzer auf unserer Plattform (August 2025).

Was ist euer nächstes großes Ziel ?

Anfang 2026 planen wir eine weitere Finanzierungsrunde, um unsere Plattform weiter auszubauen, neue Zielmärkte zu erschließen und den gesellschaftlichen Impact von Senior Connect auf breiter Ebene zu skalieren.

Vielleicht noch ein paar persönliche Fragen – Stell dir vor, du würdest heute nochmal ganz von vorn starten. Was würdest du anders machen?

Wenn ich heute nochmal ganz von vorne starten würde, würde ich von Anfang an mehr Dinge weglassen die zwar technisch möglich, aber nicht wirklich relevant für die Zielgruppe sind. Man neigt gerade zu Beginn dazu, zu viel auf einmal lösen zu wollen, aber Fokus schlägt Featurevielfalt.

Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem du entschieden hast: Ich gründe ein Unternehmen!? Was war der Auslöser?

Der eigentliche Auslöser war meine Teilnahme an Programmen wie der Corporate Campus Challenge von den Campus Founders sowie mein Studium an der TU München. Erst dadurch wurde mir der Berufsweg als „Gründer“ so richtig bewusst.

Jede Gründung bringt Herausforderungen. Was war deine größte bisher – und wie hast du sie gelöst?

Meine bisher größte Herausforderung als Gründer war das Durchhalten in Momenten, in denen alles nach Rückschritt aussah. Start-up-Gründung klingt oft nach Innovation, Freiheit und Erfolg, aber in der Realität braucht es vor allem eins: Resilienz.

Es gibt Phasen, in denen Finanzierungen wackeln, Nutzerzahlen stagnieren oder technische Probleme alles blockieren. In solchen Momenten ist es extrem herausfordernd, den Fokus nicht zu verlieren, motiviert zu bleiben und dem eigenen Weg weiter zu vertrauen.

Welche Entscheidung hat sich im Nachhinein als goldrichtig herausgestellt?

Die beste Entscheidung war definitiv die Wahl unseres Gründungsteams. Wir ergänzen uns nicht nur fachlich, sondern vor allem menschlich. Wir vertrauen uns blind, sprechen auch unangenehme Dinge offen an und können uns in herausfordernden Phasen voll aufeinander verlassen. Gerade im Startup-Alltag, der oft von Unsicherheit, Zeitdruck und Komplexität geprägt ist, ist das unbezahlbar.

Was war der beste Ratschlag, den du je bekommen hast – und von wem?

Der beste Ratschlag, den ich je bekommen habe, kam während unserer Zeit im Silicon Valley – konkret von Mercedes Bankston im Rahmen eines Accelerators: „Speed and execution are everything.“

Dieser Satz hat sich bei mir eingebrannt. Bis dahin hatten wir in Deutschland oft den Anspruch, Dinge „perfekt“ zu machen, bevor wir an den Markt gehen. In den USA haben wir gelernt, dass es viel wichtiger ist, schnell zu sein und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Heute priorisieren wir Umsetzung vor Perfektion.

Welchen Rat würdest du anderen Gründer:innen mit auf den Weg geben – besonders jenen, die noch zögern?

Einfach starten und keine Scheu haben, um Hilfe zu bitten. Gerade wenn man jung ist, sind viele Menschen bereit, ihr Wissen zu teilen, Kontakte weiterzugeben oder ehrliches Feedback zu geben. Die meisten sagen nicht Nein – im Gegenteil, sie freuen sich, wenn jemand mutig ist und etwas bewegen will. Dadurch kann man unglaublich viel lernen und sich früh ein starkes Netzwerk aufbauen, das später Gold wert ist.

Was ist eine harte Wahrheit über Unternehmertum, über die zu wenig gesprochen wird?

In meiner Erfahrung wird der Gründerweg oft zu sehr glorifiziert: Pitch-Events, mediale Sichtbarkeit, flexible Arbeitszeiten. Was man seltener sieht, sind die schlaflosen Nächte, der emotionale Druck und die permanente Unsicherheit, mit der man leben muss.

Man braucht eine dicke Haut, eine hohe Frustrationstoleranz und Menschen um sich, die einen ehrlich auffangen.

Welche Bücher, Podcasts oder Menschen inspirieren dich – und warum?

Ein Buch, das mich besonders inspiriert hat, ist „The Third Door“ von Alex Banayan. Darin geht es sinnbildlich um drei Wege, um ins Leben, in die Karriere oder ins Netzwerk zu kommen:

Die Vordertür für die meisten, die Hintertür für wenige Privilegierte und dann die „dritte Tür“, die man sich selbst suchen, erfragen oder manchmal sogar aufbrechen muss.

Dieses Bild hat mir geholfen, meinen Blick auf Zugänge, Netzwerke und Chancen zu verändern. Es geht nicht nur darum, wer dich einlädt, sondern wie du selbst mutig, kreativ und respektvoll an Menschen herantrittst, die dich inspirieren.

Was war für dich ein echter „Gamechanger“ – ob Tool, Team oder Mindset?

Ein echter Gamechanger für mich war ganz klar das Tool Notion.

Wenn man es richtig aufsetzt, wird Notion zum All-in-One-System für Wissensmanagement, Projektplanung, CRM, Roadmaps, Recruiting, Meetingdokumentation und vielem mehr. Es hat uns geholfen, Struktur in unser schnelles Wachstum zu bringen und unser Team trotz Remote-Phasen klar, effizient und synchron arbeiten zu lassen.

Was bedeutet für dich Erfolg – ganz persönlich?

Zufriedenheit & Erfüllung.

Wenn du anderen Gründern oder Unternehmer:innen in Baden-Württemberg eine Botschaft mitgeben könntest – welche wäre das?

Lasst uns mehr zusammenarbeiten und uns gegenseitig unterstützen!

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns so offen zu sprechen.

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