carbonauten – die minus CO2-Fabrik

Hallo Torsten, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei carbonauten kurz vor:

  • Torsten Becker, 56, Dipl. Produktdesigner FH, Gründer, Geschäftsführer und ewiger Student, Bereich Innovation und Marke
  • Christoph Hiemer, 52, Jurist, Gründer, Bereich Standortentwicklung und Hardware
  • Denis Maier, 26, Mikrobiologe und Biochemiker, F&E
  • Michael Sernatinger, 26, Vertrieb
  • Anestis Dietrich Becker, 23, Produktdesigner FH, Produktentwicklung

Vielleicht möchtest Du uns ganz am Anfang unseres Interviews Euer Startup kurz vorstellen ?

„-CO2 – Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Die carbonauten entziehen der Atmosphäre sofort wirksam und recht einfach das Klimagas und vermeidet die Entstehung weiterer Treibhausgase wir CO2, Methan und Lachgas.

Welches Problem wollt Ihr mit carbonauten lösen ?

Um den Klimakollaps einzubremsen, reicht es nicht allein, die Emissionen zu reduzieren, denn das dauert zu lange. Man muss der Atmosphäre aktiv CO2 entziehen. Das Mercator Institut Potsdam identifiziert sechs Verfahren, von denen zwei sinnvoll und wirtschaftlich sind: Aufforstung und Biokohle. Wir produzieren zukünftig weltweit an hunderten dezentralen Standorten Biokohlenstoffe aus den Resten der Forst- und Landwirtschaft, Holz- und Lebensmittelindustrie. Eine Tonne unseres Biokohlenstoff speichert das Äquivalent von 3,5 Tonnen CO2. Also wenn man eine Tonne Grillkohle anzündet, entstehen 3,5 Tonnen Gas. Wenn man die nicht anzündet, bleibt das CO2 zeitlich unbegrenzt im Kohlenstoff gebunden.

Was aber noch eine stärkere Wirkung hat, sind die vielfältigen Anwendungen unserer Biokohlenstoffe. Wir ersetzen damit neben beispielsweise Kunstdünger und Pflanzenchemie, fossile Kohlen für die Schwerindustrie und Grillkohle aus den Urwäldern, zukünftig vor allem umweltschädliche Kunststoffe, Möbel- und Baumaterialien. carbonauten OCM Organic Carbon Materials ist eine revolutionäre weil disruptive Materialfamilie aus Biokohlenstoff, Bindern und Additiven. Je mehr Produkte aus carbonauten OCM hergestellt werden, desto besser für die Umwelt. carbonauten OCM kann nach Gebrauch recycelt, nachkarbonisiert oder zerkleinert als Bodenhilfsstoff zur Bildung von Terra Preta genutzt werden.

Wie ist die Idee zu carbonauten entstanden ?

Mein Partner Christoph Hiemer lief mir 2013 über den Weg. Er plante eine Karbonisierungsanlage mit einem Konsortium. Ich hatte sofort die Potentiale der Biokohlenstoffe erkannt und beschäftigte mich mit den Anwendungen. Als Christoph Ende 2016 aus seinem Projekt ausstieg, entscheiden wir, es fortan selber und besser zu machen. Wir hatten mittlerweile ein ebenso einfaches wie hocheffizientes Karbonisierungsverfahren identifiziert. Dies ist die Voraussetzung für unsere weltweite Skalierung. Ein wichtiger Schritt war dann Ende 2019 die Umsetzung der Idee, Kunststoffe zu ersetzen. Wir haben carbonauten OCM als Patent angemeldet.

Wie würdest Du Deiner Großmutter carbonauten erklären ?

Oma, deine Generation hat den Klimakollaps begonnen, wir holen die Kohlen jetzt wieder aus dem Feuer.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Ja, Dynamik ist ein Effekt jeder unternehmerischen Entwicklung. Neben carbonauten OCM haben wir die Hardware so weiterentwickelt, dass wir mittlerweile an den Produktionsstandorten als Nebenprodukt viel erneuerbare Energie erzeugen. 24/7, unabhängig von Wind oder Sonne. Und wir werden stärker Problemstoffe der Abfallentsorgung als Rohstoffe nehmen können. Das freut die Entsorger wie Städte, Kommunen und Gemeinden. Zudem sind wir mit zwei internationalen Projekten in Südamerika und China unterwegs. Insbesondere die Chinesen haben die enormen Potentiale unsere Biokohlenstoffe sofort begriffen und unterstützen uns bei der Umsetzung der größten Fabrik weltweit. Hier haben wir die Unterschiede zu Deutschland erkannt. China ist ein großes Land und muss groß handeln, Deutschland ist ein kleines Land und denkt klein. So kommt es immer wieder, dass wir in Deutschland die Innovationen entwickeln und die USA und China über die schnelle und große Umsetzung profitieren.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Wir verkaufen die modifizierten Biokohlenstoffe zunächst in sichere Märkte wie Aktivkohle, Futterkohle, Bodenhilfsstoffe und Biogrillkohle. Parallel dazu entwickeln wir carbonauten OCM weiter und bringen es in die industriellen Anwendungen. Die Profite sind enorm, da wir deutlich günstiger produzieren als die Kunststoff- und Bauindustrie.

Weitere Einnahmen entstehen aus dem lokalen Verkauf der erneuerbaren Energien sowie der CO2-Zertifikate.

Wie genau hat sich carbonauten seit der Gründung entwickelt ?

Gestartet waren wir mit der Realisierung des Erststandorts nördlich von Berlin und einfachen Produkten. Mittlerweile haben wir ein Dutzend Standorte in Deutschland lokalisiert. China wird sicher ein großer Markt. Der Durchbruch ist für uns carbonauten OCM sowie das Energiekonzept.

Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Wir sind zu fünft. Umsätze waren bislang nur im Minusbereich zu verzeichnen. Die Erstanlage wird im Herbst in Betrieb gehen. Für 2020 rechneten wir mit einem Umsatz von mindestens 6,2 Mio. €.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Das Finden von Investoren und die Kapitalausstattung. Wir konnten scheinbar nicht vermitteln, dass wir das richtige Thema zum richtigen Zeitpunkt haben. Erst Greta hat dafür die Geldseite sensibilisiert. Auch konnten wir die kognitive Dissonanz nicht überwinden, also das Bewusstsein der Investoren (und Politik), dass sie etwas tun müssen und der nach wie vor nicht stattfindenden, konkreten Handlungen. Anders formuliert: Der Klimakollaps kennt keinen Businessplan und ist nicht verhandelbar.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

  1. Augen zu und durch. Wir waren in der Vergangenheit sehr aktiv und haben jetzt mit Forest Finance einen exzellenten strategischen Partner, der auch menschlich und strukturell bestens zu uns passt.
  2. Die Ankündigung und Versprechen auf den Webseiten der großen Unternehmen sind kaum ernst zu nehmen. Es dauert und dauert und zum Schluss fehlt der Mut.
  3. Die Stärke Deutschland war mal Hardware. Karl Benz, Carl Zeiss, Ferdinand Porsche haben mal so angefangen wie wir. Die hatten nichts außer einer Vision. Wenn du heute nicht digital bist, einen Lieferservcie anbietest oder was E-mobiles machst, kommst du in Deutschland kaum an Kapital. Deshalb wird die Entwicklung von Technologien durch Start Up oftmals nach China und USA verlagert. Das machen wir für den Bereich carboanuten OCM Baustoffe.

Und was habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Nicht aufzugeben, auch wenn das Geld oftmals vorne und hinten nicht reicht und der Kühlschrank leer ist.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Wir haben uns finanziert über zunächst eigene Mittel, ab 2019 das BW Preseed und den Verkauf von ein paar Anteilen an einen strategischen Partner. Ab Mai haben wir mit Forest Finance einen weiteren Anteilseigner, der uns ein Darlehen für den Erststandort zur Verfügung stellt.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Inbetriebnahme Erststandort, Start der Umsetzung weiterer Standorte, Entwicklung carbonauten OCM, personelles Wachstum.

Vielen Dank für das Interview.

One thought on “carbonauten – die minus CO2-Fabrik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Social profiles

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie dem zu.