Hallo Kai, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei Tismo kurz vor:

Mein Name ist Kai Reinhard (33) und ich bin einer von drei Gründern der Tismo UG. Mit im Team sind mein Zwillingsbruder Ruwen Reinhard (33) und Daniel Schüler (26). Momentan haben wir alle noch einen ganz normalen Vollzeitjob. Mein Zwillingsbruder und Daniel arbeiten bei einer Zollsoftwarefirma während ich versuche die Welt als Polizist etwas sicherer zu machen. Nach einer Ausbildung zum geprüften Medien- und Kommunikationsinformatiker setzte Ruwen einen MBA als Unternehmensberater oben drauf. Daniel hat Wirtschaftsinformatik studiert und ist Spezialist für „Business Intelligent“. Die Beiden sind maßgeblich für die Programmierung und den technischen Support der App zuständig. Ich selbst durchlaufe derzeit die Vorauswahl für die Zulassung des Masterstudiengangs bei der Polizei Baden-Württemberg und bin bei Tismo für die strategische Ausrichtung und die organisatorischen Belange zuständig – was mehr heißt als Kaffee kochen, beispielsweise die Antworten für diese Interview zu verfassen.

Vielleicht könnt Ihr uns Euer Startup Tismo kurz vorstellen ?

Tismo ist die smarte Lösung zur Vermittlung von Alltagsdienstleitungen ohne langwierige Sondierungs- und Angebotserstellungsprozesse. Im Grunde ist die Idee dahinter schnell erklärt. Wer Hilfe bei einer Alltagsdienstleistung (Rasen mähen, Hundesitten, Umzugshelfer…) braucht, inseriert seinen Job, findet motivierte Helfer innerhalb der Community und bezahlt den Preis, den er selbst festgelegt hat. Der Name leitet sich aus dem wohl jedem bekannten englischen Sprichwort „Time is money“ ab.

Welches Problem wollt Ihr mit Tismo lösen ?

Im Alltag sind wir immer wieder mit Dingen und Aufgaben konfrontiert, die wir entweder allein nicht selbst erledigen können oder die wir nicht erledigen möchten – Sei es aufgrund des Arbeitsumfanges oder der kostbaren Zeit, die wir damit aufgeben. Zudem steht die persönliche „Work-Life-Balance“ immer noch hoch im Kurs. Für den Großteil dieser Aufgaben wird in der Regel aber kein gelernter Profi oder Fachmann benötigt. Wenn ich in solchen Fällen Hilfe suche oder dringend brauche, hatte ich bislang kein adäquates Tool um diese Hilfe in Form von „Mitarbeitern“ zu finden.

Andererseits verbirgt sich hinter der Gesellschaft, regional oder überregional, ein enormes Potential an motivierten Arbeitskräften, die Geld verdienen möchten oder müssen. Beispielsweise leben laut „Statista“ 2,6 Millionen Studenten in Deutschland, von denen 68% nebenher arbeiten müssen, um das Studium finanzieren zu können.

Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, diese Zielgruppen zusammen zu bringen, um so die Möglichkeiten zu schaffen, per freier Zeiteinteilung Geld zu verdienen oder seine persönliche „Work-Life-Balance“ auszubauen.

Wie ist die Idee zu Tismo entstanden ?

Ideen entstehen meist aus Alltagsproblemen heraus. Ich würde gerne die Geschichte der plötzlichen Eingebung erzählen, aber leider ist die Idee eher langweilig entstanden. Mein Bruder und ich sind schlechte, aber leidenschaftliche Fifa-Spieler (Playstation). Die aktuelle Version kommt in der Regel unter der Woche in den Handel. Da wir immer lange arbeiten, ist es uns erst am Wochenende vergönnt das Spiel zu kaufen und anzuspielen. 2016, kurz vor dem „Releastermin“, hatten waren wir der Meinung, wir würden 20 Euro an einen Käufer bezahlen, der uns das Spiel am Erscheinungsdatum in den Briefkasten wirft. In dem Moment haben wir das Potential der Idee erkannt und einfach mal weiterentwickelt.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Tismo erklären ?

Ich weiß, dass die sogenannten „silver-surfer“, also Internet- und Smartphonenutzer ab 60, zahlenmäßig zunehmen, bei meiner „Omi“ wurde ich mir aber, so denke ich, die Zähne ausbeißen. Zumindest würde ich es versuchen mit: „Liebe Omi, ich weiß, du könntest sicher Hilfe beim Unkraut jäten in deinem großen Garten gebrauchen. Deine zwei Lieblingsenkel haben eine App entwickelt, bei der du ganz schnell Hilfe findest. Und das Beste daran, du entscheidest vorher selbst, wieviel dir die Hilfe in deinem Garten wert ist. Dafür brauchst du heutzutage keinen Gärtner mehr. Die Bedienung der App ist ganz leicht, aber das kann ich dir gerne in einer ruhigen Minute zeigen.“

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Obwohl das Geschäftskonzept von uns validiert wurde und die Zielgruppenanalyse ein Wachstum vermuten ließ, sind bislang lediglich 80 Nutzer registriert. Eine aktive Nutzung ist bisweilen nur vereinzelt zu verzeichnen. Wir haben sicherlich daran gedacht, das Konzept zu ändern, auch weil wir in unseren Jobs sehr eingebunden sind. Nach einem Besuch beim „CyberForum“ in Karlsruhe haben wir aber den notwendigen Motivationsschub bekommen und werden dranbleiben. Es ist absolut nicht schlecht, seine Ziele oder die Zielgruppen neu zu analysieren und das Konzept anzupassen oder komplett zu ändern. Wir für unseren Teil haben diese Möglichkeit im Hinterkopf, sind aber nach wie vor davon überzeugt, dass es einen Markt für Tismo gibt.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Wie bei allen Vermittlungsplattformen verdienen wir unser Geld durch eine Vermittlungsgebühr die bei 8 – 10 Prozent des Aufgabenwertes liegt. Das heißt, wenn ein positives „matching“ zustande gekommen ist, wird die Provisionsgebühr an uns entrichtet.

Wie genau hat sich Tismo seit der Gründung entwickelt ?

Entstanden ist die Idee schon Mitte 2016. Leider haben wird den Kardinalsfehler begangen und uns quasi im Keller eingeschlossen, um die App zu entwickeln. Da wir

Das Konzept des „Bootstrappings“ verfolgen und damit komplett eigenfinanziert sind, haben sich dadurch natürlich auch die Zeitläufe verzögert. Die Gründung der UG erfolgte erst Ende 2018. Im März 2019 fand der Go-Live der Smartphoneapp „Tismo“ im Google-Playstore und im Apple-Store statt.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Euer Startup inzwischen?

Unser Mitarbeiteranzahl des Startups beschränkt sich noch immer auf die Gründeranzahl und wenige nichtangestellte „Unterstützer“, die uns wahnsinnig geholfen haben. Zu den Zahlen kann ich noch gar nichts sagen, zum einen, da die App erst seit März online ist und zum anderen, weil derzeit noch keine Vermittlungsgebühr fällig wird. Noch kann die App komplett kostenlos genutzt werden, was im Umkehrschluss bedeutet, dass noch kein Umsatz generiert wird.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Wie schon beschrieben, haben wir uns komplett eingeschlossen und haben die Idee nicht nach außen getragen, um die App zu entwickeln. Dabei wäre es sinnvoller gewesen, mit einer Beta-Version auf den Markt zu gehen und den Markt so zu validieren. Das hat enorm Zeit und Geld gekostet. Außerdem haben wir uns um die Bereiche Marketing und Vertrieb absolut nicht gekümmert. Wir sind davon ausgegangen, wo ein Markt ist, ist auch eine Nachfrage.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Mittlerweile haben wir uns so strukturiert, dass notwendige Dinge erledigt werden und mehr oder weniger „glatt“ laufen. Nur mal angefangen bei regelmäßigen Calls oder Meetings. Daraus haben wir uns anfangs nicht so viel gemacht. Mittlerweile validieren wir Neuerungen in anderer Form und damit wesentlich schneller und effizienter. Unsere Ideen werden nicht mehr im stillen Kämmerchen weiterentwickelt. Außerdem haben wir die Wichtigkeit der richtigen Marketingstrategien erkannt und bilden uns im Selbststudium enorm weiter. Das sind die nächsten Wichtigen Schritte unserer „Roadmap“.

Paradox daran ist, dass wir die notwendigen Strukturen und Schritte aus dem Arbeitsleben kennen und eigentlich hätten adaptieren können.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Ich weiß nicht, ob ich sagen würde, wir haben in einem Punkt alles richtig gemacht. Mir ist klar, es gibt immer Optimierungspotential und einfachere Wege, um ans Ziel zu kommen. Ich bin stolz auf die App die wir entwickelt haben und den Ehrgeiz den wir an den Tag legen. Obwohl die Idee hinter der App überall gut ankommt, bekommen wir immer wieder zu hören, die deutschen Rechtsstrukturen lassen eine solche App nicht zu. Da geht es vor allem um die Gewerbeanmeldung. Davon haben wir uns von Anfang aber an nicht unterkriegen lassen.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Unser Startup ist nach wie vor eigenfinanziert. Wir haben uns zwar Gedanken über eine Finanzierung, sei es durch ein Finanzunternehmen oder Investoren gemacht, diesen Schritt aber nie aktiv vorangetrieben. Derzeit sind wir glücklich so wie es ist, verschließen uns aber nicht davor neue Wege zu gehen.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Wir haben viel vor. Momentan bereiten wir das neue Marketingkonzept vor und arbeiten stetig an der Weiterentwicklung der App. Priorität hat aber die Steigerung der Nutzer und der Bekanntheit der Marke an sich. Außerdem sind wir (noch immer) mit verschiedenen Versicherungen im Gespräch, um Schadensfälle bei der Abarbeitung der Alltagsdienstleistungen versichern zu können. Für die Generation „silver-surfer“ soll eine Vermittlungshotline eingerichtet werden, um den Prozess an die Älteren unter uns anzupassen.

Trotz allem haben wir vor, die zu bleiben, die wir sind. Ehrlicherweise muss nämlich angemerkt werden, dass jeder einzelne von uns auch noch eigene Projekte verfolgt. Die Schwierigkeit ist es, alles unter einen Hut zu bekommen.

Vielen Dank für das Interview.

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