
Hallo Daniel, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Stell dich unseren Leser:innen doch mal kurz vor – wer bist du, und was machst du bei Pyck?
Ich bin Daniel, einer der Gründer von Pyck. Als CEO verantworte ich unter anderem die Investor- und Customer-Relations, sowie Strategie und Marketing. Ich arbeite gemeinsam mit Max (CTO) und Matthias (COO) daran, die Intralogistik fit für die Zukunft zu machen.

Vielleicht möchtest du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?
Gerne, Pyck ist erstmal kein klassisches WMS, sondern ein Toolkit, mit dem sich jeder Nutzer sehr schnell eigenständig Warehousing Software kreieren kann. Mit Pyck können Unternehmen ihre Lagerprozesse mit Hilfe von KI flexibel gestalten, anpassen und erweitern, ohne von einem bestimmten Anbieter abhängig zu sein. Unser Ziel ist es, unseren Kunden wieder die volle Kontrolle über ihre Warehousing Software zu geben.
Welches Problem wollt ihr mit Pyck lösen?
Viele Unternehmen sind heute in teuren, proprietären Warehouse Management Systemen (WMS) gefangen. Anpassungen dauern lange, sind extrem teuer und verhindern Innovation. Pyck bricht diese Black Box auf: Wir geben Unternehmen ein Toolkit an die Hand, mit dem sie eigene Prozesse schnell und kostengünstig abbilden und jederzeit weiterentwickeln können. Anbindung von
Drittsystemen oder Automatisierungstechnik ist mit Pyck kein Problem.
Wie würdest du deiner Großmutter Pyck erklären ?
Stell dir vor, du hast ein großes Warenlager mit so vielen Regalen, dass du ein Computerprogramm benötigst, um den Überblick zu wahren. Jedes Mal, wenn du etwas umräumen oder ändern möchtest, musst du jemanden anrufen, der am Programm etwas anpasst, der erst in ein paar Monaten Zeit hat und einen hohen Preis berechnet. Mit Pyck bekommst du ein Programm, das dir erlaubt, deine Regale jederzeit schnell, günstig und genau so, wie du es brauchst, selbst umzubauen. Zudem gibt es dir Tipps, wie dein Warenlager noch effizienter und effektiver zu nutzen wäre.
Wie funktioniert euer Geschäftsmodell ?
Unser Kern ist Open Source, das heißt: der Core ist ab 2026 frei verfügbar. Unsere Kunden können Pyck aber auch in unserem Cloud-Angebot als SaaS hosten. Darüber hinaus gibt es natürlich Optionen für Service & Support, sowie Features und Tools auf Basis von KI, die man hinzubuchen kann.
Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?
Wir haben beim Fundraising anfangs viel Zeit verloren, weil wir zu früh mit großen VCs gesprochen haben. Pyck war zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht reif genug, was uns einige Monate gekostet hat.
Was habt ihr daraus gelernt ?
Dass es in der frühen Phase oft sinnvoller ist, mit Business Angels zu starten. Schritt für Schritt kann man dann den Übergang zu größeren Investoren gehen, passend zur Reife des Unternehmens.
Und wo habt ihr bisher alles richtig gemacht ?
Bei unserem Team. Wir haben von Anfang an auf ein starkes, diverses und wachstumsorientiertes Team gesetzt, das Technik, Logistik-Know-how und Unternehmergeist verbindet. Das macht uns heute extrem schnell und flexibel.
Was ist euer nächstes großes Ziel ?
Wir wollen unser Toolkit in unseren aktuellen Pilotprojekten erfolgreich umsetzen und bei den Kunden weiter skalieren. Ein zentrales Ziel ist es, unseren Core als Open Source zu veröffentlichen. Parallel entwickeln wir einige AI Tools und weitere Features. Außerdem nutzen wir unser Toolkit bereits selbst, um ein WMS-Einsteiger-Produkt zu bauen. Mehr dazu werden wir bald veröffentlichen.
Vielleicht noch ein paar persönliche Fragen – Stell dir vor, du würdest heute nochmal ganz von vorn starten. Was würdest du anders machen?
Retrospektiv finden sich immer Dinge, die man jetzt anders machen würde. Ich denke, das sind alles sehr individuelle Erfahrungen, die stark von dem Produkt, dem Gründerteam und dem Kundenkreis abhängen und nicht unbedingt übertragbar sind. Früh Business Angels ansprechen und ein Investoren-Netzwerk aufbauen würde ich definitiv heute viel früher machen.
Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem du entschieden hast: Ich gründe ein Unternehmen!? Was war der Auslöser?
Ich fühlte mich als Angestellter schon immer von der Geschwindigkeit großer Unternehmen ausgebremst. Der konkrete Auslöser war frustrierend und inspirierend zugleich: Als ich das Innovationsteam bei Dematic erlebte ich immer wieder, wie WMS Innovationen bei Kunden ausbremsten. Max, unser heutiger CTO, hatte parallel als Entwickler einem Unternehmen geholfen, die Limitierungen einer Legacy-WMS zu überwinden. Wir haben beide gesehen, wie Innovationen im Lager durch starre Systeme blockiert wurden. Gleichzeitig hatten wir das Gefühl: Da muss es doch einen besseren Weg geben. Und daraus entstand Pyck!
Jede Gründung bringt Herausforderungen. Was war deine größte bisher – und wie hast du sie gelöst?
Eine große Herausforderung war, potenziellen Kunden zu beweisen, dass Pyck kein klassisches WMS ist, sondern ein Toolkit, mit dem sie selbst sehr viel selber machen können und was sie beim Wachstum unterstützt. Gelöst haben wir das, indem wir nicht mehr nur theoretisch reden, sondern in Proof-of-Concepts ganz konkrete Probleme lösen. Das überzeugt am meisten.
Welche Entscheidung hat sich im Nachhinein als goldrichtig herausgestellt?
Die Entscheidung, Pyck von Anfang an auf einem Open-Source-Kern aufzubauen. Auch wenn der Quellcode noch nicht veröffentlicht ist, zahlt sich dieser Ansatz schon heute aus. Er sorgt für Transparenz in der Entwicklung, schafft Vertrauen bei unseren Kunden. Vor allem aber ist es die Grundlage dafür, unseren Nutzern langfristig echte Unabhängigkeit von Anbietern zu ermöglichen.
Was war der beste Ratschlag, den du je bekommen hast – und von wem?
Ein früher Tipp von einer Coachin von mir, den ich noch heute befolge lautet: „Fokussiere dich!“ Man kann nicht alles sofort umsetzen. Hinzu kam ein Tipp eines Investoren „Sei bold!“. Als Angestellter lernt man über Jahre, sich überall abzustimmen und abzusichern. Als Gründer eines Startups ist es nicht immer ratsam.
Welchen Rat würdest du anderen Gründer:innen mit auf den Weg geben – besonders jenen, die noch zögern?
Wenn du überzeugt bist, dass ein Problem gelöst werden muss und Branchenexperten das bestätigen, dann leg los. Perfekte Bedingungen gibt es nie. Was zählt, ist Ausdauer und die richtigen Leute an deiner Seite.
Was ist eine harte Wahrheit über Unternehmertum, über die zu wenig gesprochen wird?
Fokus und Überblick gut zu kombinieren ist extrem wichtig und kann am Anfang sehr herausfordernd sein. Ansonsten ist das Stimmungsbild als Gründer wie ein Sägezahnprofil: Es geht im Stundentakt extrem hoch und runter.
Welche Bücher, Podcasts oder Menschen inspirieren dich – und warum?
Mich inspirieren tatsächlich Menschen, die trotz wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Erfolgs ihre Bescheidenheit nicht verlieren. Bereits früh hat mich Matthieu Ricard mit seinem Werdegang und seinem Buch „Happiness“ beeindruckt.
Was war für dich ein echter „Gamechanger“ – ob Tool, Team oder Mindset?
Ganz klar: unser Team. Ohne die richtige Mischung aus Erfahrung, Motivation und gegenseitigem Vertrauen wäre Pyck nicht das, was es heute ist.
Was bedeutet für dich Erfolg – ganz persönlich?
Wenn die Menschen, mit denen ich in Kontakt bin, gerne mit Pyck und auch mit mir persönlich arbeiten. Ich bin überzeugt, dass sich nur so eine Branche grundlegend verändern lässt.
Wenn du anderen Gründern oder Unternehmer:innen in Baden-Württemberg eine Botschaft mitgeben könntest – welche wäre das?
Lernt früh, zwischen subjektiven Meinungen und wirklich hilfreichem Feedback zu unterscheiden, denn nicht die lauteste Stimme ist automatisch die richtige.
Wenn Branchenkenner positives Feedback geben, während das Establishment skeptisch ist, ist das oft ein Hinweis darauf, dass ihr auf etwas Wertvolles gestoßen seid.
Und vor allem: Gebt nicht zu früh auf. Auch bei Pyck gab es Momente, in denen wir gezweifelt haben, aber Durchhaltevermögen hat uns weitergebracht. Am Ende macht genau das den Unterschied.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns so offen zu sprechen.





