Dr. Fabian Höflinger von Telocate aus Freiburg im Interview

Hallo Fabian, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei Telocate kurz vor:

Hallo, und vielen Dank für die Einladung uns auf Stuttgart-Startups.de präsentieren zu dürfen. Gerne stellen wir uns vor. Die Telocate GmbH ist ein Technologie-Startup mit Sitz in Freiburg. Mein Name ist Fabian Höflinger, ich bin einer der zwei Gründer. Mein Mitgründer Johannes Wendeberg und ich haben die Firma im Herbst 2014 aus der Uni Freiburg heraus gegründet. Unser Schwerpunkt sind Lokalisierungslösungen in Gebäuden.

Welches Problem wollt Ihr mit Telocate lösen ?

Die zunehmende Automatisierung in der Industrie führt seit Jahren zu einer zu wachsenden Nachfrage nach Lokalisierungsdiensten für verschiedenste Anwendungen, insbesondere im Kontext von „Industrie 4.0“, z.B. für nahtlose Echtzeit-Warenverfolgung, für fahrerlose Transportsysteme und für ortsgebundene Handheld-Anwendungen. Häufig können die üblichen funkbasierten Lösungen wie UWB und RFID dort wegen der elektromagnetischen Verträglichkeit der Industrieprozesse nicht eingesetzt werden z.B. in der IC-Herstellung.

Hier bieten wir unsere Lösung Telocate Wave an, ein Indoor-Positioning-System („IPS“) auf Basis von Ultraschall, welches prinzipbedingt keiner länderspezifischen Regulation wie bei Funktechnik unterworfen ist und keine physikalischen Auswirkungen auf typische Industrieprozesse hat, gleichzeitig aber ebenbürtige oder teilweise sogar bessere Ortungsleistungen erreicht als gängige Funktechniken.

Wie ist die Idee zu Telocate entstanden ?

Johannes und ich haben schon während unserer Promotionszeit an der Uni viel gemeinsam im Bereich Lokalisierung zusammengearbeitet, er im Bereich Algorithmik, ich im Bereich Hardware und Systeme. Dabei haben wir einen ersten Prototyp der Ultraschalllösung entwickelt. Der lief damals noch auf mehreren Laptops und war meilenweit weg von der hochintegrierten Embedded-Version, die wir heute haben. Jedenfalls hatten wir damals bereits viele Kontakte in die Industrie und zu Messen und haben das hohe Interesse und die Nachfrage nach Lokalisierungslösungen gesehen. Daraus stand die Idee, uns mit unserer Lösung auszugründen. Gleichzeitig hatten wir auch eine Lösung die auf Smartphones lief und diese auf 20 cm genau orten konnte. Auch daran bestand oder besteht immer noch großes Medieninteresse.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Telocate erklären ?

Stell dir vor du bist im Supermarkt und suchst das Waschpulver. Unsere Lösung zeigt dir auf deinem Smartphone (ja, auch Großmütter haben inzwischen Smartphones) an, wo du im Supermarkt bist und in welche Richtung du gehen musst, um zum Waschpulver zu finden. Und das Ganze machen wir jetzt auch für die Industrie, aber dort möchte man Maschinen und Waren finden.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Ja, sogar sehr. Anfangs hatten wir uns deutlich stärker auf den „zivilen“ Fall der Smartphone-Ortung in Supermärkten und auf Messen sowie öffentlichen Gebäuden konzentriert. Jedoch haben wir deutlich größere kommerzielle Möglichkeiten in der Industrie entdeckt, wo Unternehmen größere Summen in Arbeitserleichterungen in ihren Logistikprozessen oder für Kosteneinsparungen im Intralogistik-Bereich investieren.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Wir vermarkten unsere Lösungen direkt an Industriekunden und wir arbeiten auch mit Systemintegratoren zusammen, die unser System auf Lizenzbasis vermarkten.

Wie genau hat sich Telocate seit der Gründung entwickelt ?

Wir haben anfangs mit einem sehr kleinen Gründungsteam begonnen. Wir waren damals über die BMWi-Gründungsförderung „Exist“ mit drei Personen finanziert. Damals waren wir sehr stark mit der Entwicklung beschäftigt, um unser Testsystem zu einer kundenfähigen Lösung zu bringen. In den späteren Jahren waren wir dann deutlich mehr in Kundenaufträgen involviert. Seit der Corona-Krise arbeiten wir wieder sehr stark an der Entwicklung unserer nächsten Hardware-Generation, bei der man dann nur noch einen einzigen Empfänger benötigt – eine Revolution im IPS-Bereich.

Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Wir sind mittlerweile ein Team von 9 Personen, die meisten davon Vollzeit, plus stets einiger Studierender, die bei uns universitäre Projekte machen.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Eigentlich hat sich viel so entwickelt wie wir uns das gewünscht haben und wir haben ein gutes Team in einem sehr spannenden Umfeld aufgebaut. Aber als Beispiel für etwas das schief gegangen ist, würde ich definitiv den Ausflug in den Bereich der Smartphone-Ortung nennen. Zwar ist auch das ein hochspannendes Thema, aber wir hatten den Markt damals falsch eingeschätzt. Es gab zwar ein sehr großes Interesse nach genauer Ortung von Mobilgeräten, aber häufig waren die finanziellen Vorstellungen der Kunden nicht in dem Rahmen, wie es für so eine Lösung nötig ist. Das ist in der Industrie anders, wo man eine realistischere Einschätzung für nötige Investitionen in Lösungen hat. Auch haben wir die technische Herausforderung unterschätzt, unsere Lösung auf Tausenden von Android- und iOS-Mobilgeräten zum Laufen zu bringen. Unsere Smartphone-Lösung hat bis zuletzt immer nur auf ein paar Dutzend Geräten funktioniert, da die Hardware im Mobilbereich extrem vielfältig und unterschiedlich ist.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Wir kamen ja als Ingenieure und Informatiker aus einem akademischen Bereich. Wir hatten eine steile Lernkurve zu bewältigen, um eine realistische Einschätzung für Marktmöglichkeiten, die Anforderungen an ein Produkt, die Preisgestaltung, etc. zu entwickeln. Damals haben wir daraus gelernt, dass wir am Markt keine Möglichkeit für die Smartphone-Ortung bekommen und unseren Fokus in Richtung Industrie verschoben. Dafür haben wir unsere Lösung auch weiterentwickelt, so dass ein integrierter Ultraschall-Sender in Industrieanwendungen geortet werden kann. Bei dieser „geschlossenen“ Lösung haben wir alle Systemkomponenten unter unserer Kontrolle, so dass es einfacher ist eine prozesstaugliche Lösung anzubieten.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Beim damaligen Richtungswechsel hin zur Industrie hat es sich als sehr hilfreich erwiesen, dass wir technisch so breit aufgestellt sind. Ein Kurswechsel hat sich dadurch nicht als ein kompletter Neuanfang dargestellt, sondern wir konnten auf vielem aufbauen, was wir bereits hatten, und dann recht nahtlos weitermachen.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Wir sind aus Kundenumsätzen finanziert sowie aus öffentlichen Forschungsprojekten von BMBF und BMWi, um unsere nach wie vor sehr forschungslastige Forschung & Entwicklung schneller voranbringen zu können. Zu Beginn waren wir wie schon erwähnt für ein Jahr lang durch das BMWi Exist-Gründerstipendium finanziert, sowie in geringem Maße durch einen Investor aus dem persönlichen Umfeld.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Zunächst einmal müssen wir mit den Auswirkungen der Corona-Situation fertigwerden. Diese hat bei uns, wie bei vielen anderen Unternehmen, zu Umsatzrückgängen geführt. Jedoch sehen wir auch eine Chance darin, dass wir die zuvor angesprochene bereits im Herbst 2019 begonnene Entwicklung unserer neuen Hardwaregeneration im Moment schneller voranbringen können. Diese wollen wir bis zum Herbst 2020 soweit bringen, dass sie prototypisch beim Kunden einsetzbar ist. Wir können dann auf einer Grundfläche von 15 x 15 m mit nur einem Empfänger an der Decke einen Sender auf 10-20 cm genau orten. Selbstverständlich ist die Lösung auch auf große Flächen skalierbar. Darauf freuen wir uns!

Vielen Dank für das Interview.

Auch Euch vielen Dank noch einmal!

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